Insights · SAP

Wie KI-Agenten sicher in SAP schreiben

Einen Kundenauftrag zu lesen ist leicht. Ihn mit den richtigen Rechten, passenden Freigaben und ohne Dublette anzulegen, verlangt einige Bausteine mehr.

Lesen ist einfach, Schreiben nicht

Viele KI-Projekte rund um SAP beginnen mit Lesezugriffen. Ein Agent fragt Auftragsstatus, offene Posten oder Liefertermine ab und fasst sie zusammen. Geht dabei etwas schief, ist die Antwort falsch. Im System selbst hat sich nichts verändert.

Beim Schreiben sieht das anders aus. Ein angelegter Kundenauftrag stößt Folgeprozesse an, von der Bedarfsplanung über die Lieferung bis zur Faktura. Ein falscher Preis landet auf der Rechnung, ein doppelter Auftrag im Lager. Einem Sprachmodell eine Schnittstelle zu geben und auf gute Ergebnisse zu hoffen, reicht dafür nicht.

Ein Tool-Call ist noch keine Transaktion

Technisch ruft ein KI-Agent ein Tool auf, also eine Funktion mit Parametern. Welche Funktion mit welchen Werten aufgerufen wird, entscheidet das Modell. Für eine Websuche genügt das.

Bei einer Buchung in SAP fehlt dagegen fast alles, was eine Enterprise-Transaktion ausmacht. Wer handelt hier, und mit welchen Rechten? Wer hat geprüft, ob die Aktion erlaubt ist? Was passiert, wenn derselbe Aufruf zweimal ankommt? Wie lässt sich in einem Jahr nachvollziehen, warum der Auftrag genau so angelegt wurde?

Diese Fragen sollte kein Sprachmodell beantworten müssen. Sie gehören in eine Schicht zwischen Agent und SAP, die nach festen Regeln arbeitet. In voluro Nexus ist das die Ausführungsschicht: Über Governance entscheidet nicht das Sprachmodell, sondern Nexus. Die folgenden Bausteine zeigen, woraus diese Schicht besteht.

Eigene Identität, echte SAP-Berechtigungen

Ein Agent arbeitet in SAP nie mit einem Sammel- oder Administratorkonto. Er bekommt eine eigene technische Identität mit Rollen, die zu seiner Aufgabe passen. Ein Order-Agent darf zum Beispiel Kundenaufträge anlegen und Kundenstammdaten lesen, aber keine Konditionen pflegen. Das SAP-Berechtigungskonzept bleibt wirksam.

Vor jeder Aktion prüft Nexus zusätzlich, ob der Agent dieses Tool in diesem System für diesen Vorgang nutzen darf. Diese Policy-Prüfung läuft außerhalb des Sprachmodells. Auch ein geschickt formulierter Prompt ändert an ihrem Ergebnis nichts.

Guarded Autonomy: wann der Agent selbst handeln darf

Berechtigungen legen fest, was ein Agent darf. Guarded Autonomy legt fest, wann er es ohne Rückfrage tun darf. Nexus entscheidet je Aktion: automatisch ausführen, Freigabe einholen oder blockieren. Beispielregeln für einen Sales Order Agent:

VorgangEntscheidung
Standardauftrag, 8.000 €, StammkundeAutomatisch ausführen
Auftrag über 85.000 € mit SonderrabattFreigabe durch Sales Manager
Auftrag über 350.000 € mit geänderten ZahlungsbedingungenFreigabe durch Finance und Sales
Kunde ist gesperrtBlockieren

Beispiel. Schwellenwerte, Bedingungen und Freigabewege legen Sie selbst fest.

Idempotenz: jeder Auftrag nur einmal

Verbindungen brechen ab, Timeouts lösen Wiederholungen aus, ein Agent setzt nach einem Fehler neu an. Ohne Schutz entsteht dabei schnell ein zweiter Auftrag für denselben Vorgang.

Schreibende Aktionen tragen in Nexus deshalb einen eindeutigen Vorgangsschlüssel. Kommt derselbe Aufruf erneut an, erkennt Nexus ihn und führt ihn nicht ein zweites Mal aus. Für den Agent sieht das aus wie ein erfolgreicher Aufruf, in SAP gibt es trotzdem nur einen Beleg.

Versionierte Tools, getrennte Umgebungen

Ein Agent-Tool wie erp.salesOrder.create ist Software und wird wie Software behandelt. Tools, Policies und Agent-Deployments sind in Nexus versioniert, ein produktives Deployment lässt sich nicht nachträglich verändern. Änderungen laufen über DEV, TEST und PROD, ähnlich wie SAP-Teams es von ihren Transporten kennen.

Das hat einen praktischen Nutzen: Fällt im Betrieb ein Vorgang auf, lässt sich der Run mit genau der Version von Agent, Tool und Policy nachstellen, die damals aktiv war.

Audit Trail

Jeder Schritt wird protokolliert: welcher Agent in welcher Version, mit welchen Eingaben, welche Policy-Entscheidung, wer freigegeben hat und was SAP zurückgemeldet hat. Sensible Inhalte lassen sich in Ausgaben und Logs schwärzen. Für Revision und interne Kontrolle ist eine Buchung durch einen Agent damit so nachvollziehbar wie eine Buchung durch einen Mitarbeiter.

Relay: SAP bleibt hinter der Firewall

SAP-Systeme sind aus gutem Grund meist nicht aus dem Internet erreichbar. Damit ein Agent trotzdem mit ihnen arbeiten kann, läuft ein kleiner Relay-Dienst im Netzwerk des Unternehmens. Er baut nur ausgehende Verbindungen auf und braucht keinen eingehenden Port. Aufrufe leitet er nur an Zielsysteme weiter, die auf seiner lokalen Allowlist stehen.

Clean Core: über APIs, ohne Modifikationen

Für SAP S/4HANA gilt das Prinzip Clean Core: Erweiterungen sollen den Standard nicht verändern. Agents passen gut dazu, solange sie über freigegebene Schnittstellen arbeiten.

Nexus liest die Metadaten vorhandener OData-Services aus, also Entity Sets, Actions und Function Imports, dazu eigene Custom APIs. Daraus entstehen kontrollierte Agent-Tools. Bestehendes Customizing und eigene Services werden weitergenutzt, am SAP-Kern muss nichts modifiziert werden.

Checkliste: bereit für schreibende Agenten?

Bevor ein Agent in SAP produktiv schreibt, sollten diese Punkte geklärt sein:

  • Agent-Identität: eigener technischer Benutzer je Agent, Rollen nach dem Minimalprinzip, kein Sammelkonto.
  • Policy-Prüfung: Berechtigungen und Regeln werden vor jeder Aktion außerhalb des Sprachmodells geprüft.
  • Autonomie-Regeln: Für jede schreibende Aktion ist festgelegt, wann sie automatisch läuft, eine Freigabe braucht oder gestoppt wird.
  • Idempotenz: Wiederholte Aufrufe erzeugen keine doppelten Belege.
  • Versionierung: Tools, Policies und Deployments sind versioniert und durchlaufen DEV, TEST und PROD.
  • Audit Trail: Agent, Version, Eingaben, Entscheidung, Freigabe und Systemantwort sind protokolliert.
  • Netzwerk: Zugriff über ausgehende Verbindungen und eine Allowlist der Zielsysteme, kein offener Port.
  • Clean Core: Zugriff über OData-Services und freigegebene APIs, keine Modifikationen.

Häufige Fragen

Funktioniert das auch mit SAP ECC?

Ja, sofern die nötigen Funktionen über Schnittstellen erreichbar sind, etwa über OData-Services oder eigene APIs. Wie ein konkretes System angebunden wird, klären wir im Prozess-Check.

Müssen wir dafür etwas im SAP-System ändern?

Modifikationen sind nicht nötig. Einzurichten sind die technische Identität des Agenten mit passenden Rollen und gegebenenfalls Services, die noch nicht aktiviert sind.

Was sieht die Person, die eine Freigabe erteilt?

Den Vorgang mit den relevanten Daten und die Regel, die gegriffen hat, zum Beispiel einen Sonderrabatt oberhalb des Schwellenwerts. Sie gibt frei oder lehnt ab, und beides landet im Audit Trail.

Weiterlesen

Quellen und weiterführende Dokumentation

Starten Sie mit einem Prozess.

30 Minuten · kostenlos · mit einem Senior Architect. Sie erhalten eine mündliche Ersteinschätzung und konkrete nächste Schritte.